

Beschmierter Adler
Die rote Farbe auf dem Adler und seinen Küken im Nest ist der anonyme Kommentar zu einer verunglückten Denkmaldebatte. Mit großem Nazipomp wurde die Skulptur des Bildhauers Max Esser als Teil eines „Denkmals der nationalen Erhebung“ 1935 eingeweiht. Jahrzehntelang stand sie wenig beachtet am Rand eines Kinderspielplatzes zwischen Lünette und Lüdenscheider Weg in Spandau. Ihre Geschichte wurde 2013 in einem Buch über die Reichsforschungssiedlung Haselhorst aufgearbeitet, seitdem diente der Adler als Anlaufpunkt, um auf Führungen über die erzwungene ideologische Gleichschaltung der Siedlung nach 1933 zu berichten. Das ansonsten unkommentierte Dastehen der Skulptur am Kinderspielplatz wurde im vergangenen Jahr zum Skandal erklärt, daraufhin musste die Eigentümergemeinschaft der Anlieger entscheiden, ob der Adler entfernt oder kommentiert werden soll. Das Ergebnis der Befragung: Alles soll so bleiben, wie es ist.
Dabei wäre es so einfach gewesen, an dem Sockel (von dem nach 1945 ein Hakenkreuz und ein Goethe-Zitat getilgt wurden) eine kleine Informationstafel anzubringen. Stattdessen nun: Blinder Vandalismus statt Aufklärung.
7. März 2026: Aktionstag in Haselhorst
Welche Geschichte hat das große Neubaugebiet WATERKANT in Spandau-Haselhorst? Dazu gibt es in diesem Jahr ein großes Recherche- und Veranstaltungsprogramm, das am 7. März 2026 mit einem Aktionstag startet.
An den folgenden Stationen zwischen Christophoruskirche und HeimatHavel erfährt man zwischen 14 und 16 Uhr mehr über die Geschichte der Kieze Siemensstadt, Haselhorst und Waterkant.
- Stolperschwelle an der Christophoruskirche mit Kirche.Kiez.Kultur (Schuckertdamm 336, 13629 Berlin)
- Museumswohnung der Gewobag in der Reichsforschungssiedlung (Burscheider Weg 21, 13599 Berlin)
- Weihnachtskirche (Haselhorster Damm 54, 13599 Berlin)
- Baracke Zwangsarbeiter:innenlager Rhenaniastraße/Am Havelgarten mit der Jugendgeschichtswerkstatt
- HeimatHavel (Schwielowseestr. 20,13599 Berlin) mit dem Kirchenkreis Spandau
Weitere Infos und eine Begleitbroschüre mit Routenvorschlägen und Informationen zu den Stationen sind ab Anfang März hier als PDF abrufbar: https://www.spandau-evangelisch.de/b/aktionstag-entdeckungsreise

Carrer de la Missió
Eine Nebenstraße im Zentrum von Palma, die den Spaziergänger am Sonntagmorgen zum Flaneur macht, weil man sich gar nicht satt lesen kann an den Spuren der Vergangenheit und Gegenwart, die sich überlagern: Der Pfeil weist auf ein Haus (Nr. 19/20), in dem „Classes de Bellas Artes“ angeboten werden. Die Künstler haben eine Art Ladenschild mit surrealistisch anmutenden Gedichten herausgehängt. An den uralten Mauern einer Kirche kleben Plakate gegen den Massentourismus auf Mallorca, dabei leben in der Straße offensichtlich ganz normale Einheimische neben den Gästen einer Luxusherberge, die eines der alten Häuser sehr geschmackvoll okkupiert hat.

Merz im Stadtbild
Ein knappes Statement zu einer vom Kanzler fahrlässig losgetretenen, das gesellschaftliche Klima vergiftenden Scheindebatte, fotografiert in Berlin-Pankow im Dezember 2025. Paradoxerweise verstetigt die Inschrift die Präsenz von Friedrich Merz im Stadtbild, im Gegensatz zur energischen Forderung nach seinem Verschwinden. Für das Stadtbild an der vielbefahrenen Kreuzung in Sichtweite des alten Pankower Dorfangers ist die Intervention, die sich mit einer weiteren Parole am Dach außerdem gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht richtet, ein Gewinn.


Babylonisches Kreuzberg
Über einer Markise mit Weißbierreklame am Rio-Reiser-Platz schmücken türkischen Wortendungen eine Eckhausfassade. Mit den Schriftzügen „-miş“, „-müş“ , „-mişiz“ fängt es an und steigert sich über viele Variationen bis zum lautmalerischen „-müşmüşüz“, „-mişmişsin“ und „-müşlerdi“. Was hat es damit auf sich? Hier lesen


Jüdische City West
Im Auftrag des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf haben Michael Bienert und Arne Krasting einen Stadtspaziergang zum jüdischen Leben um den Kurfürstendamm entwickelt, der seit dem Herbst 2024 mit großer und guter Resonanz etwa zwanzigmal durchgeführt wurde. Die 20 Stationen geben einen exemplarischen Eindruck von der Vielfalt jüdischen Lebens im Bezirk. Ab sofort ist eine Onlineversion der Stadtführung verfügbar.

Noch ist diese Website eine Baustelle…
Seit 2004 diente die Domain www.text-der-stadt.de als offenes Archiv für Texte von Michael Bienert und Elke Linda Buchholz.
Nachdem der Umzug auf einen modernen Server und die Neuinstallation geklappt hat, werden wir hier ab 2026 weiter publizieren und zeitlose Texte werbefrei zur Verfügung stellen.
